Fechten
Die Burschenschaft der Bubenreuther ist fakultativ schlagend, das heißt, das Erlernen des sogenannten „studentischen Fechtens“ ist verpflichtend, die Stellung einer „Mensur“, einer scharfen Fechtpartie, freiwillig.
Mensur: Wie das Sportfechten ist das studentische Fechten aus dem Duellwesen früherer Jahrhunderte hervorgegangen. Doch im Gegensatz zum Sportfechten kommen bei der studentischen Mensur scharfe Klingen zum Einsatz; auch werden bewusst Lücken im Körperschutz gelassen. Es kann auf diese Weise zu „Schmissen“ (Fechtnarben) kommen. Eine Gefahr für Gesundheit oder gar Leben besteht selbstverständlich nicht: Der Ablauf einer Fechtpartie ist strengstens geregelt, alle kritischen Körperregionen wie Augen, Hände oder Nervenbahnen sind komplett geschützt.
„Im Hier und Jetzt“: Die Bubenreuther werden von Gottfried Halvorsen, einem professionellen Fechtmeister, trainiert. Halvorsen ist gebürtiger US-Amerikaner, kam 1984 nach Deutschland und machte seine Fecht-Leidenschaft zum Beruf. „Bei der Mensur ist man plötzlich mit der Realität konfrontiert“ schildert Halvorsen, der selbst sieben Partien gestellt hat. „Plötzlich ist man im Hier und Jetzt. Es ist das, was man im alten Japan ‚Sartori’ genannt hat – der Punkt absoluter Konzentration. Es gibt in der heutigen Gesellschaft sehr wenige Möglichkeiten, dies kennenzulernen oder zu üben. Das ist etwas, was wir erfahren, diesen absoluten Moment.“
Mit „Ehrenhändeln“ hat das bei den Bubenreuthern praktizierte Fechten nichts zu tun – sogenannte „persönliche Kontrahagen“ sind untersagt. Möchten Bubenreuther Mensuren stellen, so werden bei anderen Korporationen geeignete „Gegenpaukanten“ gesucht. Dabei werden die individuellen Fähigkeiten der Einzelnen berücksichtigt.
