Das Bubenreuther Prinzip der Wissenschaftlichkeit

Aus: Ernst Höhne, Die Bubenreuther – Geschichte einer deutschen Burschenschaft, Erlangen 1936

Im Beruf seinen Mann stehen: Das Wort „Wissenschaftlichkeit“ war nicht glücklich gewählt; denn die Pflege der Wissenschaft im eigentlichen Sinn war Sache der Universität und ihrer Institute. Die Burschenschaft selbst wollte ihre Mitglieder nicht zu Wissenschaftlern heranbilden, sondern ihr war es darum zu tun, daß alle ihre Mitglieder im späteren Beruf ihren Mann standen.

Strebertum war bei den Bubenreuthern niemals beliebt. Viele haben sogar in den ersten Semestern nur wenig Kollegien besucht. (...) Dennoch: Wer sein Examen nicht rechtzeitig gemacht hatte, mußte aus der Burschenschaft ausscheiden. Das war seit langem Brauch. Jeder Bubenreuther weiß aus seiner Zeit wenigstens einen Fall, wo dieses ungeschriebene Gesetz angewendet wurde, so hart es oft schien; aber wir wissen auch, wie viele sich gerade unter diesem Zwang aufgerafft haben, wenn sie beinahe der Gefahr zu verbummeln erlegen waren. Der verbummelte Student, auch wenn er genialischer Natur war, fand keine Gnade.

Reichlich aufgewogen: Am meisten waren doch immer die geachtet, die es fertigbrachten, mit Leib und Seele Bubenreuther zu sein und dabei auch ernsthaft zu arbeiten. Gerade von denen, die dem Bund viel Zeit geopfert hatten, wurden nicht selten die besten Examina gemacht und in den Reihen des Mitgliederverzeichnisses taucht der Name von manch namhaftem Gelehrten auf. Man erwartete von den Bundesbrüdern, daß sie ganze Kerle waren und im Leben etwas leisteten (...). Manche versäumte Kollegstunde wurde reichlich aufgewogen; denn was die Gemeinschaft mit auf den Lebensweg gab, war so viel wert wie der Besitz an Wissen, den der Student aus dem Kolleg nach Hause trug.

Umgekehrt muß erwähnt werden, daß der Kollegbesuch auch stark geschützt war; ein unaufschiebbares Kolleg war eigentlich der einzige Grund, der von einer Veranstaltung des Bundes befreien konnte.